EarthCaches: Geocaching mit Lernfaktor

EarthCaches: Geocaching mit Lernfaktor

Schroffe Klippen, gewaltige Vulkane, Wasser spuckende Geysire, tiefe Kraterseen… Wer sich aufmacht, einen EarthCache zu suchen, kann wundervolle Landschaften und beeindruckende geologische Phänomene entdecken – und nebenbei eine ganze Menge lernen. Unsere Autorin Sabine Dingeldein erklärt, was einen EarthCache ausmacht und was beim Platzieren zu beachten ist.

EarthCaches: Herkunft

Das Konzept der EarthCaches wurde von Gary Lewis von Geoaware in Zusammenarbeit mit der „Geological Society of America“ (GSA) entwickelt. Ihr Ziel war es, das Hobby Geocaching auf unterhaltsame Weise mit der Geologie zu verknüpfen und Cachern Wissen über den Aufbau, die Zusammensetzung und Struktur der Erde, ihre physikalischen Eigenschaften, ihre Entwicklungsgeschichte sowie die Prozesse, die sie formten und heute noch formen, zu vermitteln.

Bei Groundspeak stießen sie mit dieser Idee auf offene Türen. Daher werden Earthcaches bis heute auf geocaching.com als eigene Cacheform gelistet. Der erste Earthcache mit dem Namen „EarthCache I – a simple geology tour of Wasp Head“ (GCHFT2 ) wurde vor zehn Jahren, am 10. Januar 2004, in Australien gelegt und ist immer noch aktiv.

Panorama Blick Zugspitze Earthcaches
Earthcaches bieten oftmals traumhafte Aussichten!

Inzwischen gibt es weltweit 17.558 Earthcaches, alleine in Deutschland sind es derzeit 3.368. Dieser Hintergrund erklärt auch einige Besonderheiten, die Earthcaches von regulären Dosen unterscheiden. Sie können ausschließlich an geologisch interessanten Orten platziert werden. Zudem zählen sie zu den sogenannten Virtual Caches, was bedeutet, dass an ihren Koordinaten weder Dose noch Logbuch zu finden sind.

Du kennst dich noch nicht so gut mit den einzelnen Cache-Arten aus? Dann haben wir hier die wichtigsten Typen für dich zusammengefasst und erklärt!

EarthCaches: Loggen

Der Fund eines Earthcaches wird dokumentiert, indem vor Ort Informationen zu im Listing gestellten Fragen gesammelt und an den Owner übermittelt werden. Das Log erfolgt dann rein virtuell auf geocaching.com. Die Fragen im Listing beziehen sich stets auf die geologische Besonderheit vor Ort und sollen die Besucher so dazu bringen, sich näher mit dem Phänomen zu beschäftigen.

EarthCaches: Eigenen EarthCache legen

Hochsitz mit Ausblick
Zwei EarthCaches im gleichen Gebiet? Kein Problem, solange sie sich mit unterschiedlichen geologischen Phänomenen beschäftigen.

Einen neuen EarthCache zu legen ist zumindest in unseren Breiten inzwischen bereits zu einer echten Herausforderung geworden: Das liegt zum einen an der von Natur aus begrenzten Zahl geo-logisch interessanter Phänomene in einer Region sowie zum anderen an den EarthCache- Guidelines, die besagen, dass ein EarthCache in seinem Gebiet einzigartig sein soll.

Das bedeutet, in seinem Umkreis darf es keinen weiteren EarthCache zu dem gleichen geologischen Phänomen geben. Ob es überhaupt noch machbar oder sinnvoll ist, dieser Masse an EarthCaches noch weitere hinzuzufügen, ist ein in der Geocaching Community gern diskutiertes Thema. Da es sich beim EarthCache um einen virtuellen Geocache ohne Dose vor Ort handelt, muss kein Mindestabstand zu anderen Caches eingehalten werden.

Ist also ein Ort mit einem interessanten geologischen Phänomen gefunden, das noch nicht in einem nahegelegenen EarthCache beschrieben wird, steht der Gestaltung eines entsprechenden Listings nichts im Wege. Allerdings muss dieses speziellen Anforderungen genügen, um veröffentlicht zu werden. Die wichtigsten Punkte haben wir hier für euch zusammengefasst, das komplette Regelwerk in deutscher Übersetzung ist auf earthcache.org einsehbar.

Blick auf den EarthCache „Weilbacher Kiesgruben“ (GC1V1XV). Da keine Dose am Cache versteckt wird, gibt es keinen Mindestabstand zu anderen Geocaches.

EarthCaches: Geologie erleben

Seit 2013 nicht mehr zulässig: Beweisfotos vor Ort mit oder auch ohne GPS vor der Kulisse des besuchten EarthCaches.

Dreh- und Angelpunkt beim Erstellen eines EarthCaches ist immer die Geologie des Ortes, mit der sich der Cache beschäftigen muss. Andere örtliche Besonderheiten wie Archäologie, atmosphärische Beobachtungen, Biologie und Botanik, Gebäude, Flüsse und Bäche, Moore, Geodäsie, Ökologie, Physik und Zoologie sind keine Themen für einen EarthCache.

Es sei denn, und hier ist sozusagen eine Hintertür, sie lassen sich auch über einen geologischen Gesichtspunkt betrachten. Geologische Phänomene sind beispielsweise Vulkanismus, Erdbeben sowie Gesteinsstrukturen.

Gut zu wissen: Was genau ist Geologie?
Laut Wikipedia kommt das Wort “Geologie” aus dem altgriechischen und bedeutet übersetzt “Erde”. Diese Wissenschaft setzt sich mit dem Aufbau, der Zusammensetzung und Struktur der Erdkruste auseinander, erforscht die Eigenschaften der Gesteine, sowie ihre Entwicklung und den Prozess, der ihnen die Formen gab, die sie heute haben. (Wikipedia, 2021)

EarthCaches legen: Aufgaben und Beweisfoto

Da jeder EarthCache auch eine lehrreiche Komponente enthalten muss, sollte beim Verfassen des Cachelistings ein besonderes Augenmerk darauf liegen, die spezielle, erdwissenschaftliche Besonderheit des gewählten Ortes für Laien verständlich zu beschreiben und die Logaufgabe(n) so zu stellen, dass diese bei einem Besuch vor Ort gut beantwortet werden können.

Wie viele Fragen gestellt werden, bleibt dem Owner überlassen, sie müssen sich aber ausdrücklich auf das vorgestellte Phänomen beziehen. Beliebt ist die Vor-Ort-Recherche bestimmter Informationen auf Hinweistafeln, aber auch Schätzfragen sowie einfache Experimente, so diese vor Ort durchführbar sind. Hilfestellungen in Form zusätzlicher Wegpunkte sind dabei ausdrücklich erwünscht.

Informationstafeln vor Ort sind eine wahre Fundgrube, um gut lösbare Logaufgaben zu erstellen.

Die in Deutschland weit verbreitete Logbedingung, ein Vor- Ort-Foto hochzuladen, ist seit dem Update der EarthCache-Guidelines vom Januar 2013 nicht mehr erlaubt. Nicht zulässig sind auch die Vorgaben Antworten an eine bestimmte Emailadresse senden zu müssen, die Verwendung von Autorespondern zur Überprüfung der Richtigkeit der eingesendeten Antworten sowie das Warten müssen auf eine Logfreigabe durch den Owner.

EarthCaches legen: In German please

Beim Schreiben des Listings bitte darauf achten, dass das Listing in der ortsüblichen Sprache (bei uns also hochdeutsch, kein örtlicher Dialekt) eingereicht werden muss. Eine Übersetzung in weitere Sprachen ist natürlich trotzdem zulässig, in diesem Fall muss die Ortssprache aber als erste im Listing verwendet werden.

Da EarthCaches aber besonders gerne von Gästen aus aller Welt gesucht werden, ist eine zusätzliche Übersetzung in ein möglichst gutes Englisch hilfreich. Solltet ihr einen Cache in einem anderssprachigen Land anlegen, gibt es oft nette einheimische Cacher, die Euch bei der Übersetzung des Listings in die Landessprache helfen. Die für den deutschen Sprachraum (dazu gehört auch Liechtenstein) zuständigen Reviewer heißen GeoawareDE.

Landschaftliche Highlights locken Touristen an! Denk an ein Listing für nicht-deutschsprechende Geocacher/innen.

Und ein Tipp: Solltet ihr eine besonders lange Beschreibung in Eurem EarthCache zur Verfügung stellen wollen, was an sich nicht notwendig ist, solltet ihr zur besseren Nutzbarkeit die Fragen an den Anfang stellen, um so den Suchenden lange Scrollereien auf dem Navigationsgerät vor Ort zu ersparen.

EarthCaches legen: Masters und Discovery Awards

Die Einführung eines speziellen Belohnungssystems, den EarthCache Masters führte leider in der Vergangenheit zu einer explosionsartigen Ausbreitung von EarthCaches. Um eine Auszeichnung in den Farben Silber, Gold und Platin zu erhalten, müssen ein, zwei beziehungsweise drei EarthCaches gelegt worden sein.

Jene EarthCaches, die nur gelegt wurden, um die Sammelwut ihrer Owner zu befriedigen, überzeugen bedauerlicherweise oft nicht durch Qualität, was zu Unmut bei vielen Fans führte.

Bemängelt wurde vor allem, dass die Verbindung zur Geologie nicht gegeben ist oder die Aufgaben keine Auseinandersetzung mit der erdwissenschaftlichen Besonderheit notwendig machen. Bereits 2011 wurde mit den EarthCache Discovery Awards daher zusätzlich ein alternatives Belohnungssystem ins Leben gerufen, dass Geocacher für die Anzahl der von ihnen besuchten EarthCaches auszeichnet.

Wohl kaum eine Gruppe Menschen liebt Souvenire und Auszeichnungen so sehr, wie Geocacher! Sie motivieren uns, um aktiv zu werden, Caches zu legen und zu suchen, um schlussendlich ein aufregendes Spiel zu kreieren.

Übrigens: Das Bild ist beim EarthCache “Hot Springs Bath” in den Pump Rooms im wunderschönen Bath in England entstanden. Ihren Namen verdankt die Stadt den heißen Quellen, die bereits die Sachsen und Normannen zu nutzen wussten.

EarthCaches gibt es überall und sie führen dich zu besonderen Orten.

Du hast Ergänzungen zum Thema EarthCaches oder willst deine Meinung dazu teilen? Dann schreib es uns doch unter diesem Beitrag in die Kommentare!

Happy hunting!


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