USA – Roadtrip

  • Beitrags-Kategorie:Allgemein
  • Beitrag zuletzt geändert am:8. Oktober 2026

Das ist die Fortsetzung vom Beitrag aus dem Geocaching Magazin 04/2026 von Christine Fritz.

Nächtlicher FTF
Nächtlicher FTF
FTF unter dem Sternenhimmel
FTF unter dem Sternenhimmel

Denn wie das bei Geocachern nun einmal so ist: Wenn einen plötzlich zwei mögliche FTFs von der Livekarte anlachen, ist Schlaf schlagartig völlig überbewertet. Und wenn dann tatsächlich beide Erstfunde klappen, schießt der Adrenalinspiegel ohnehin so weit nach oben, dass an Schlaf überhaupt nicht mehr zu denken ist. Also machten wir uns kurzerhand noch auf den Weg zu zwei Webcams (GC66FB und GC670D). An der ersten standen wir drei mit ausgestreckten Armen am Rand der Interstate und warteten darauf, dass die Kamera endlich auslöste. Sie ließ sich Zeit. Ein vorbeifahrender Autofahrer beobachtete unser merkwürdiges Schauspiel, hielt einige Meter weiter an und rief uns besorgt zu, ob alles in Ordnung sei. Er war fest davon überzeugt, Zeuge eines Überfalls geworden zu sein. Es dauerte einen kleinen Moment, bis wir ihm glaubhaft erklären konnten, dass wir lediglich auf eine Webcam warteten. Ich bin bis heute nicht sicher, ob er uns das wirklich geglaubt hat. Kurz darauf löste die Kamera endlich aus. Beim zweiten dieser inzwischen selten gewordenen Schätzchen mussten wir unser Auto – nennen wir es einmal etwas kreativ – an der Interstate abstellen. Zum Glück schien das niemanden zu interessieren. Anschließend lagen noch rund drei Stunden Fahrt bis zu unserem Motel vor uns.

Raubüberfall auf der Interstate? Nein, ein Webcam-Cache.

Beim Tanken wurden deshalb nicht nur Benzin, sondern auch reichlich Kaffee nachgefüllt. So erreichten wir schließlich ohne größere Ausfallerscheinungen die Gegend unseres nächsten Wunschcaches: GC16. Ich hatte das Gästebuch bereits 2018 signiert und frage mich bis heute ernsthaft, warum ich mich freiwillig noch einmal in aller Herrgottsfrühe diesen Berg hinaufgequält habe.
Gut, dass wir erst danach frühstücken wollten. Mit vollem Bauch hätte ich bergauf vermutlich noch deutlich mehr Flüche in den Wald geschleudert. Oben angekommen war das allerdings sofort vergessen. Es war einfach schön, noch einmal hier zu sein. Zurück am Auto wurde kurzerhand die Motorhaube zum Frühstückstisch umfunktioniert. Während wir es uns schmecken ließen, warteten bereits die nächsten drei Pflichttermine für Geocacher auf engstem Raum: die Original Stash Tribute Plaque (GCGV0P), der Un-Original Stash (GC92) und Slider (GC2W5V6). Damit begann für mich der Teil der Reise, auf den ich mich ganz besonders gefreut hatte.

Auf dem Huckleberry Trail zu GC16.
Eine Rarität: Versteckmonat Mai 2000.
Frühstück auf der Motorhaube.
Frank am Original Stash.

Einige Ziele hatte ich bereits 2018 besucht. Manche Orte verlieren ihren Zauber jedoch auch beim zweiten Besuch nicht. Ganz im Gegenteil. So ging es mir auch beim nächsten Oldie: GC12 – 5/12/2000. Schon 2018 hatte mich der Weg dorthin ein wenig an Indiana Jones erinnert – und daran hatte sich bis heute nichts geändert. Vom Parkplatz führt der Pfad zunächst rund 100 Meter über einen wilden Schießplatz. Erstaunlich, worauf hier offenbar alles geschossen wird. Kegelpins, Fernseher und Gaskartuschen sind nur einige Beispiele. Nicht nur wir Europäer fanden das ziemlich schräg. Auch ein Cacherpärchen aus Cleveland, das wir unterwegs trafen, schüttelte darüber nur ungläubig den Kopf. Als wir den Schatz schließlich in den Händen hielten, war dieses ganz besondere Gefühl sofort wieder da. Ein Gefühl, das für mich nur die Caches aus den Anfangstagen unseres Hobbys auslösen können. Ein bisschen Ehrfurcht. Ganz viel Gänsehaut. Einfach nur Schööööön.

Wilde Schießplätze gibt es hier öfter.

Nicht weit entfernt wartet mit GC17 bereits der nächste Klassiker. Er „wohnt“ an einem Ort, der mit einer Aussicht belohnt, die jede Anstrengung vergessen lässt. Dafür muss man allerdings erst einmal bergauf. Und zwar ordentlich. Wer mich kennt, weiß, dass Bergaufgehen nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. Diesmal wusste ich allerdings ganz genau, was mich oben erwartete. Also Augen zu und durch. Unterwegs sorgte eine Schlange, auf die ich beinahe getreten wäre, noch einmal für einen ordentlichen Adrenalinschub. Oben angekommen wurde es plötzlich still. Der Blick auf den majestätischen Mount Hood verschlug uns für einen Moment die Sprache. Die Bank, auf der ich 2018 noch so gemütlich gesessen hatte, zeigte inzwischen zwar deutliche Alterserscheinungen, der Ausblick war dafür genauso überwältigend wie damals. Nachdem wir uns sattgesehen hatten, trugen wir uns ins Logbuch ein, machten noch ein letztes Panoramafoto und stiegen wieder hinunter. Natürlich nicht, ohne unterwegs auch die Döschen am Wegesrand einzusammeln.

Mind your step, auch wenn das hier nur eine Strumpfbandnatter ist.
GC17 mit Blick auf Mount Hood.

Unser nächstes Ziel, „Dr. Who“ (GCW6EM), hätte ich euch wahnsinnig gern empfohlen. Beim Schreiben dieses Artikels musste ich allerdings feststellen, dass dieser großartige Cache nach mehr als 20 Jahren inzwischen archiviert wurde. Schade. Werft trotzdem unbedingt einmal einen Blick ins Listing und die alten Logs. Sie zeigen eindrucksvoll, dass bereits in den Anfangsjahren unseres Hobbys mit unglaublich viel Kreativität gebaut wurde. Außerdem hat Owner goblindust noch einige weitere Dosen versteckt, die definitiv einen Besuch wert sind.

In Portland angekommen meldete sich der Hunger ziemlich nachdrücklich. Und wir wissen ja alle: Hungrige Geocacher sind keine angenehmen Geocacher. Zum Glück fanden wir mit dem Khao Thai genau das Richtige. Dort schlemmten wir uns begeistert durch die Speisekarte, bevor wir zu einer kleinen Cachetour durch Portland aufbrachen. Die Nacht verbrachten wir anschließend im Rosewood Hotel. Große Zimmer, faire Preise und genau das Richtige nach einem langen Tag.

Cachen in Portland.
Beim Shoppen wurden wir zugeSPAMt.

Am nächsten Morgen erwartete mich eine wunderschöne Überraschung. Als ich verschlafen aus dem Bett kroch, standen bereits Muffins, Kerzen und Geschenke bereit. Ich hatte Geburtstag. Allein das hätte den Tag schon besonders gemacht. Doch ausgerechnet heute sollte es auch noch zu GCA5 gehen. Auf diesen Cache hatte ich mich schon lange gefreut. Nicht nur, weil er zu den seltenen Vertretern aus dem Versteckmonat November 2000 gehört, sondern vor allem wegen seiner berührenden Geschichte. Der Owner legte ihn zum Gedenken an einen verstorbenen Cacherfreund an dessen Lieblingsplatz. Die Ruhe dort oben, die Abgeschiedenheit und die besondere Atmosphäre machen diesen Ort zu etwas ganz Besonderem. Schon bei meinem ersten Besuch hatte mich dieser Platz tief beeindruckt. Umso glücklicher war ich, heute noch einmal hier stehen zu dürfen. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte ich mir kaum wünschen können. Wer den Cache besuchen möchte, sollte übrigens die südliche Zufahrt wählen. Dann wird aus der Wanderung fast ein Drive-in. Wir hatten bei meinem ersten Besuch die andere Route genommen. Rückblickend würde ich das nicht noch einmal tun. Außerdem solltet ihr unbedingt daran denken, euch vorher Offline-Karten herunterzuladen. Unterwegs gibt es nämlich absolut keinen Handyempfang. Dass man selbst an amerikanischen Raststätten hervorragend essen kann, stellten wir wenig später in der Nähe von Castle Rock fest. Im El Compadre gab es riesige Burritos, die mindestens genauso gut schmeckten, wie sie aussahen.

Geburtstagsüberraschung im Hotel.
Wahre Oldies haben wir stilecht mit dem GPS gesucht.
Hembre Ridge, ein ganz besonderer Cache.

Die größte Muni-Box ever – GC4RPG8, leider seit Juli 2026 im Archiv.
Unterweg nach Seattle.
Kein LP, aber eine Klostation.

Inzwischen hatten wir den Großraum Seattle erreicht. Da unsere Unterkunft für die letzten Tage erst am folgenden Nachmittag bezugsfertig war, verbrachten wir die Nacht zunächst im Valu Inn SeaTac. Nach dem Einchecken stießen wir noch einmal auf meinen Geburtstag an. Und auf einen Tag, der kaum schöner hätte sein können.

Auf den Spuren der Geocaching-Geschichte

Den Titel „Best Breakfast in Town“ hat sich Denny’s unter Geocachern über die Jahre redlich verdient. Auch wir kehrten dort immer wieder gern ein – so auch an diesem Morgen, bevor eines der cachetechnischen Highlights der Reise auf uns wartete. Unser Ziel war der A.P.E.-Cache „Mission 9: Tunnel of Light“ (GC1169).

Denny’s – Best breakfast in town.

Dorthin führen zwei Wege: Entweder man entscheidet sich für eine längere Wanderung – so hatte ich es 2018 gemacht, weil der Tunnel damals gesperrt war – oder man nimmt den direkten Weg durch den 2,2 Meilen langen Snoqualmie-Tunnel. Landschaftlich ist die Tunnelvariante sicherlich weniger spektakulär. Dafür hat sie ihren ganz eigenen Reiz. Unterwegs warten ein Earthcache (GC9YTZA), ein Tradi ungefähr auf halber Strecke und vor allem dieses besondere Gefühl, durch die Dunkelheit des endlos wirkenden Tunnels zu laufen. Fast schon meditativ. Unsere Entscheidung war deshalb schnell gefallen.

Am A.P.E.-Cache selbst wurde das Logbuch beinahe ehrfürchtig signiert. Schließlich hält man hier ein kleines Stück Geocaching-Geschichte in den Händen. Natürlich philosophierten wir anschließend noch ein wenig über die Anfänge unseres Hobbys, bevor wir uns auf den Weg zu den nächsten Schätzen machten. Unbedingt mitnehmen solltet ihr „Iron Horse“ (GC79), „Bloody Fingers, Dirty Diapers…“ (GCJMDK) und den Virtual „Tunnel of Darkness“ (GC9P7KP). Nachdem nun jeder von uns einen der beiden verbliebenen A.P.E.-Caches gefunden und damit das begehrte Symbol im Profil hatte, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Natürlich erneut durch den Tunnel.

Auf gehts, 2,2 Meilen durch die Dunkelheit ins Licht.
Fotosession im Tunnel Of Light.

Anschließend wartete noch eine ganz persönliche Geschichte auf mich. Mit GCD hatte ich nämlich noch eine Rechnung offen. Bei meinem ersten Besuch war ich rund 900 Meter vor dem Ziel gescheitert. Hüfthoher Schnee hatte uns damals keine Chance gelassen, den Cache noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Seitdem stand für mich fest: Irgendwann komme ich wieder. Natürlich ging es auch diesmal wieder bergauf. Was sonst? Als wir die Stelle erreichten, an der wir damals umkehren mussten, grinste SirWolfen nur. Er hatte sich meine Geschichte inzwischen vermutlich hundertmal anhören dürfen. „Jetzt verstehe ich endlich, warum du damals aufgegeben hast.“ Das hörte sich fast nach einer kleinen Genugtuung an. Umso schöner war der Moment, als ich das Logbuch dieser Rarität aus dem Juni 2000 endlich in den Händen hielt. Mein kleines Trauma war damit endgültig erledigt. Mit einem ziemlich breiten Grinsen im Gesicht machten wir uns anschließend noch auf den Weg zum zweiten Wegpunkt des Virtuals „9 HOURS“ (GC9P86M). Den ersten Teil hatten wir bereits bei GC17 erledigt.

GCD – Mission completed.

Für die letzten Tage wollten wir endlich ankommen. Keine Koffer mehr ein- und ausladen. Keine Hotels mehr wechseln. Deshalb hatten wir uns eine gemütliche Airbnb-Wohnung gebucht, in der es an nichts fehlte. Während mayas03, der unangefochtene Weltmeister am Grill, uns ein fantastisches Steak zauberte, planten wir die letzten Tage unserer Reise.

Und dann war da natürlich noch ein Programmpunkt, auf den wir uns alle riesig freuten. Das Geocaching Headquarters. Schließlich pilgert man als Geocacher nicht einfach so nach Seattle, ohne den heiligen Hallen unseres Hobbys einen Besuch abzustatten. Also machten wir uns bester Laune auf den Weg. Bis wir vor verschlossenen Türen standen. Inzwischen benötigt man nämlich einen Termin. Das wussten wir nicht. Während wir noch überlegten, wie blöd wir eigentlich sein konnten, öffnete sich plötzlich die Tür und eine Mitarbeiterin wollte gerade in ihre Mittagspause verschwinden. Unsere Chance. Wir schilderten unser Leid, gestanden unsere Schusseligkeit und hofften auf ein kleines Wunder. „Kein Problem“, lautete die Antwort. „Gleich kommt jemand und lässt euch rein.“ Keine zwei Minuten später standen wir tatsächlich mitten im Headquarters. Und ja … Wir grinsten vermutlich wie drei Honigkuchenpferde. Natürlich wurde alles ausprobiert, bestaunt und angefasst. Und natürlich verließen wir den Shop auch nicht mit leeren Händen.

Die heiligen Hallen unseres Hobbys.
Der Reisekäfer.
Eintrag ins Gästebuch.
Cachen rund ums HQ.
Erinnerungsfoto vorm HQ.
Kleine Stärkung vor dem Tattoo-Termin.

Bis 15 Uhr blieb noch etwas Zeit zum Cachen. Dann wartete unser Termin im Tattoostudio „Slave to the Needle“. Die Idee war bereits in den ersten Tagen unserer Reise entstanden. Ein gemeinsames Tattoo. Als bleibende Erinnerung. Mit der endgültigen Entscheidung wollten wir allerdings bewusst bis zum Ende warten. Schließlich weiß man nie, ob einem nach fünf Wochen auf engstem Raum nicht doch irgendwann die Mitreisenden auf die Nerven gehen. Oder man sich gegenseitig an die Gurgel möchte. Grins … Aber genau das war nicht passiert. Im Gegenteil. Diese Reise hatte uns nicht nur unzählige Abenteuer beschert. Sie hatte uns als Freunde noch enger zusammengeschweißt. Also ließen wir uns im Headquarters ein Studio empfehlen und bekamen tatsächlich kurzfristig noch einen Termin. Vorher wurden natürlich noch ein paar Dosen eingesammelt und ein kleiner Mittagssnack verdrückt. Dann war es so weit. Ein befreundeter Cacher hatte unser Wunschmotiv entworfen. Jetzt sollte es für immer unter die Haut. Drei Stunden später war alles geschafft. Wir waren ziemlich erledigt. Und ziemlich glücklich. Und jedes Mal, wenn ich heute auf dieses Tattoo schaue, muss ich unweigerlich an diese fünf unglaublichen Wochen denken.

Bleibende Erinnerungen schaffen.
Work in progress.

Seattle – Pilgerreise ins Headquarters

Am nächsten Morgen starteten wir mit dem kleinen Multi „Urban Cache: Overdue“ (GC21DC). Achtung, kleiner Spoiler: Kaum hatten wir uns in der Bibliothek ins Logbuch eingetragen und wollten die Stühle wieder ordentlich an den Tisch schieben, heulte plötzlich der Feueralarm los. Innerhalb weniger Sekunden wurde es ziemlich hektisch. Und nein … Wir waren ausnahmsweise wirklich unschuldig. Sicherheitshalber beschlossen wir trotzdem, den Rest des Tages lieber wieder draußen zu verbringen.

Ein Multi zum Frühstück.

Unser nächstes Ziel war ein Virtual. Unterwegs durch Issaquah passierte etwas, das uns alle drei gleichzeitig grinsen ließ. Beim Vorbeifahren entdeckten wir eine wunderschöne historische Tankstelle und wollten uns gerade gegenseitig begeistert darauf aufmerksam machen. Dann fiel uns gleichzeitig auf: Moment mal … die Tankstelle ist ja unsere Cachelocation! GC9P4RK zeigt dieses liebevoll restaurierte Schmuckstück und direkt daneben wartet mit „It Takes THREE“ (GC7WE07) ein Tradi, dessen Name spätestens beim Öffnen des Behälters absolut Sinn ergibt. Tatsächlich brauchten wir sechs Hände, um an das Logbuch zu gelangen. So etwas bleibt in Erinnerung. Danach meldete sich der Kaffeedurst.

Perfekter Ort für einen Virtual.
Zieh, Fremder.
Die Drei von der Tankstelle.

Wie praktisch, dass fast nebenan ein kleiner Kiosk genau das passende Getränk im Angebot hatte. Und weil dort zufällig auch noch „Coffee Break“ (GC7WGBG) liegt, verbanden wir das Angenehme gleich mit dem Nützlichen. Eine herrlich verrückte Cacheidee mit einer kleinen elektronischen Überraschung. In dieser Gegend purzelten uns die Favoritenpunkte wirklich nur so aus der Tasche. Als Nächstes sprang uns auf der Livekarte der kleine Mystery „Geobituary“ (GCJQGP) ins Auge. Ein Rätsel, das uns zur letzten Ruhestätte von George Cachinski führte. Wieder so eine dieser Ideen, bei denen man unwillkürlich schmunzeln muss. Weiter ging es anschließend zu einer ganz besonderen Rettungsmission. Im „Forest Moon of Endor“ (GC87G3K) wartete R2-D2 auf seine Befreiung. Nach einem kleinen Spaziergang über verwunschene Waldwege fanden wir den kleinen Kerl tatsächlich. Er hatte zwar sichtbar bessere Zeiten erlebt, ließ sich aber problemlos retten. Der nächste Favoritenpunkt war damit auch schon vergeben.

Wir retten R2D2.

Nun zog es uns zurück ins Gewimmel der Großstadt. Der Pike Place Market, das Seattle Great Wheel, der Overlook Walk und natürlich die berühmte Gum Wall warteten bereits auf uns. Diese Passage ist gleichzeitig faszinierend und ziemlich gewöhnungsbedürftig. Millionen durchgekauter Kaugummis kleben dort an den Wänden. Passender könnte ein Cache kaum sein. „Chews Wisely“ (GC9WCY1) tarnt sich ebenfalls als Kaugummi und fügt sich perfekt in die Umgebung ein. Zum Glück mussten wir nicht lange suchen. Der Cache ist inzwischen zwar archiviert, aber nachdem schon sein Vorgänger ersetzt wurde, dürfte dort früher oder später wieder etwas Neues entstehen. Allein wegen der Location lohnt sich der Besuch.

Wer zum Pike Place Market will ist hier richtig.
Fisch gibts am Pike Place Market überall.
An der Gum Wall riecht die ganze Straße nach Hubba Bubba.

Der anschließende Virtual am Seattle Great Wheel (GC7B9G7) durfte natürlich genauso wenig fehlen wie eine Fahrt mit dem Riesenrad selbst. Der Blick über den Hafen ist einfach spektakulär. Wenn ihr einmal dort seid: einsteigen! Danach durfte ein Kaffee im ersten Starbucks der Welt natürlich nicht fehlen. Und selbstverständlich verließen wir den Laden nicht ohne mindestens eine weitere Tasse. Was sonst?

Blick auf die Hafen-City, vom Great Wheel aus.
Als Kaffee-Junkies war der First Starbucks Store ein Muss.

Am nächsten Morgen wartete eines meiner ganz persönlichen Wunschziele. Monte Cristo. Allein der Cache GCBC aus dem November 2000 wäre die Wanderung wert gewesen. Doch der Weg dorthin ist mindestens genauso beeindruckend wie das Ziel. Gut acht Kilometer führen durch eine traumhafte Landschaft vorbei an mehreren außergewöhnlichen Caches. Inzwischen sind sogar noch ein Wherigo, eine Letterbox und ein weiterer Mystery hinzugekommen. Mich hat dieser Ort schon bei meinem ersten Besuch so begeistert, dass ich meinen zugelosten Virtual GCAJJ5X genau dort platziert habe. Falls ihr einmal dorthin kommt: Ich freue mich über jedes einzelne Log. Nach der Wanderung war der Tag allerdings noch lange nicht vorbei. Einige weitere Dosen in der Umgebung wanderten noch in unsere Statistik, bevor wir den Abend bei einem leckeren Essen im The Fisherman’s am Pier ausklingen ließen. Währenddessen sprang mir auf der Livekarte noch ein Earthcache ohne Fundlog ins Auge. FTF. Eigentlich wollte ich sofort aufspringen. Aber Demokratie ist Demokratie. Also wurde abgestimmt. Und der Besuch auf den nächsten Morgen verschoben. Ich redete mir ein, dass der Cache schließlich schon lange genug auf seinen Erstfund wartete.

Wuschziel erreicht.
Im Fischermans kommen die Köstlichkeiten des Meeres auf den Tisch.

Trotzdem drängelte ich am nächsten Morgen dezent zum Aufbruch. Also los. Die wunderschönen Lower Deception Falls warteten bereits auf uns. Zwischen mehreren kleinen Wasserfällen beantworteten wir die Fragen des Earthcaches und machten die benötigten Fotos. Nur verschicken konnten wir sie zunächst nicht. Kein Empfang. Erst einige Kilometer später landeten die Antworten beim Owner. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Herzlichen Glückwunsch zum FTF! Check. Besser kann ein Tag kaum beginnen.

Bevor wir anschließend zur Space Needle gingen, wartete noch „World Wide Web“ (GC7VTN3) direkt zu ihren Füßen. Eine herrlich originelle Cacheidee. Natürlich inklusive Favoritenpunkt. Für die Auffahrt hatten wir zwar einen festen Timeslot gebucht. Anstehen mussten wir trotzdem. Das ließ sich allerdings gut verschmerzen. Schon von der Balustrade aus bot sich ein erster Blick über Seattle, während im riesigen Souvenirshop bereits die ersten Begehrlichkeiten geweckt wurden. Die beiden Herren unserer Reisegruppe hatten jedenfalls schnell das eine oder andere Objekt entdeckt, das später unbedingt mit nach Hause musste. Wenig später brachte uns der Aufzug nach oben. Und spätestens beim ersten Blick über Seattle war jede Minute Wartezeit vergessen.

Fund im World Wide Web.
Die Space Needle – Das Wahrzeichen von Seattle – wurde zur Weltausstellung 1962 errichtet.

Die letzten Abenteuer

Irgendwann meldete sich dann wieder das vierte Mitglied unserer Reisegruppe. Der kleine Hunger. Den stillten wir in der Cheesecake Factory, und zwar in herrlich entspannter Atmosphäre. Die Kuchentheke sah aus wie ein kleines Kunstwerk. Aber mal ehrlich … Wenn man schon einmal dort sitzt – was bestellt man dann wohl? Natürlich Cheesecake.

Für Käsekuchen Fans ein Muss.

Am Tag vor unserer Heimreise setzten wir mit der Fähre nach Whidbey Island über. Dort wartete mit „Rhody Rhide“ (GCAD2) aus dem Mai 2001 noch eine kleine Lücke für die Jasmer-Challenge auf uns. Ganz nebenbei stellten wir fest, dass dieser Oldie auf einem ausgesprochen idyllischen Fleckchen Erde liegt. Eigentlich steuerten wir „Padilla Bay Uplands Cache“ (GCD000) nur wegen seines herrlich passenden GC-Codes an. Vor Ort gefiel es uns allerdings so gut, dass wir noch eine ganze Weile durch die Gegend streiften, bevor wir schließlich wieder aufs Festland zurückkehrten. Wenn ihr dort unterwegs seid, solltet ihr außerdem unbedingt die „Clinton Ferry Terminal Webcam“ (GCN1PX) mitnehmen.

Cachen auf Whidbey Island.

Als ehemaliger Cache der Woche des Geocaching Headquarters hatte es anschließend auch „The Switchboard“ (GC9YTN9) auf unsere Wunschliste geschafft. Zwischenzeitlich war der Cache durch einen Brandstifter vollständig zerstört worden. Zum Glück wurde er wieder aufgebaut. Denn sonst wäre uns eine der originellsten Cacheideen der gesamten Reise entgangen. Danach stand unser letzter Großeinkauf bei Walmart auf dem Programm. Schließlich wollten wir unseren letzten Abend in den USA noch einmal gebührend genießen. Also landete alles im Einkaufswagen, worauf wir Appetit hatten.

In der Nähe von The Switchboard.
Lamppost-Caches, das Pendant zur deutschen Telefonsäule.

Am nächsten Morgen hieß es langsam Abschied nehmen. Ein letztes Mal schlenderten wir über den Pike Place Market, stöberten durch die kleinen Geschäfte und sogen die besondere Atmosphäre noch einmal in uns auf. Natürlich verschlug es uns dabei auch in den Purple Store. Ein Paradies für alle, die Lila lieben. Und vermutlich der schlimmste Ort der Welt für alle anderen.

Auf dem Weg zum Flughafen sammelten wir noch einige letzte Dosen ein. Dann kam der Moment, den man nach fünf Wochen zwar erwartet – auf den man sich aber trotzdem nicht freut. Die Rückgabe unseres treuen Mietwagens. Der Mitarbeiter der Autovermietung war sichtlich beeindruckt vom Kilometerstand. Aber mal ehrlich: Wenn man Freikilometer gebucht hat, wäre es doch fast unhöflich, sie nicht auszunutzen. Dass unser Auto unterwegs einen Steinschlag abbekommen hatte, wir einen kleinen Auffahrunfall hinter uns hatten und irgendwo am Unterboden ein Teil fröhlich vor sich hin baumelte, schien ihn dagegen überhaupt nicht zu interessieren. Am Flughafen loggten wir noch einen letzten Virtual. Kurz darauf hob unser Flieger Richtung Paris ab. Damit endeten fünf Wochen voller Abenteuer.

Fazit

Nach fünf Wochen, unzähligen Kilometern und Eindrücken, die sich kaum in Worte fassen lassen, war unsere Reise zu Ende. Hinter SirWolfen, mayas03 und mir lagen faszinierende Städte, atemberaubende Landschaften, außergewöhnliche Geocaches und Erinnerungen, die uns noch lange begleiten werden. Doch am Ende waren es gar nicht die berühmten Sehenswürdigkeiten, die diese Reise für uns so besonders gemacht haben. Es waren die endlosen Highways. Die spontanen Umwege. Die gemeinsamen Lachanfälle. Die verrückten Geschichten, die nur entstehen, wenn drei Geocacher fünf Wochen lang gemeinsam unterwegs sind. Es waren die Sonnenuntergänge am Pazifik. Die Ehrfurcht vor den alten Dosen. Die Begeisterung über einen FTF. Die Momente, in denen wir einfach innehielten und staunten.

Vor allem aber war es die gemeinsame Zeit. Diese Reise hat uns nicht nur quer durch die Vereinigten Staaten geführt. Sie hat uns unzählige Erinnerungen geschenkt, die weit über Geocaching hinausgehen. Und genau das macht sie für uns so besonders.

Vielleicht bekommt ihr beim Lesen ja selbst Lust, den großen Sprung über den Atlantik zu wagen. Oder ihr holt eure eigenen Reiseerinnerungen hervor und beginnt schon einmal, von der nächsten großen Tour zu träumen. Wir jedenfalls tun genau das bereits. Während ich diese Zeilen schreibe, erwische ich mich schon wieder dabei, Karten zu studieren, alte Listings zu durchstöbern und von der nächsten Tour durch die USA zu träumen.