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Handgelenk-Navi

Garmin hat uns in diesem Jahr schon einmal überrascht: Mit dem Montana hatte die GPS- Schmiede ganz gegen den Trend “Kleiner- und-Leichter“ ein Gerät präsentiert, das deutlich größer als seine Geschwister war. Jetzt zeigt der Marktführer, dass er auch in die andere Richtung entwickeln und produzieren kann. Mit dem fenix wirft Garmin ein Navi fürs Handgelenk auf den Markt und belegt auch hier erneut eine Nische. Marko Reichelt hat die fenix ans Handgelenk gelegt und ging damit auf Cachetour.

Garmin fenixGarmin hat uns in diesem Jahr schon einmal überrascht: Mit dem Montana hatte die GPS-Schmiede ganz gegen den Trend “Kleiner-und-Leichter“ ein Gerät präsentiert, das deutlich größer als seine Geschwister war. Jetzt zeigt der Marktführer, dass er auch in die andere Richtung entwickeln und produzieren kann. Mit dem fenix wirft Garmin ein Navi fürs Handgelenk auf den Markt und belegt auch hier erneut eine Nische. Marko Reichelt hat die fenix ans Handgelenk gelegt und ging damit auf Cachetour.
Garmin fenixSeit etwas mehr als zehn Jahren gibt es GPS-Geräte für den Otto-Normalverbraucher. Die Entwicklung der Geräte gleicht dabei eher einer Evolution. Sicher: Der Funktionsumfang wurde größer, die Displays farbig und so manch interessantes Feature fand den Weg in die tragbaren GPS-Empfänger. Auch die Preise ent­wi­ckelten sich positiv. Für weniger als 200 Euro bekommt man heute bereits ein vernünftig ausgestattetes GPS-Gerät. Nach zehn Jahren behutsamer Entwicklung bringt Garmin nun aber ein insofern revolutionäres Gerät auf den Markt, als dass es das erste GPS-Gerät mit nahezu komplettem Funktionsumfang in Uhrengröße ist. Garmin hat sein neuestes GPS auf den Namen fenix getauft und bewirbt es als GPS-Uhr für Bergsteiger, Wanderer, Radfahrer und Backpacker. Da die fenix aber auch umfangreiche Geocaching-Funktionen bietet, soll euch dieser Test zeigen, ob die fenix auch für uns Geocacher ein nützliches Gerät darstellt. Das Design der fenix ähnelt dem der Forerunner Laufsportuhren, der Funktionsumfang ist aber ungleich höher. Eigentlich alles, was man heute für Outdooranwendungen benötigt, ist in der fenix enthalten. Dazu kommen hier außerdem noch ein Barometer, ANT+ und Bluetooth.

Das Design

Garmin fenixMit 4,9 x 4,9 Zentimeter Gehäusegröße ist die fenix als Uhr nicht gerade die kleinste, auch die Höhe trägt mit 17 Millimetern dick auf. Für die enthaltenen Funktionen geht die Größe aber dennoch in Ordnung und es ist erstaunlich wie Garmin die ganzen Funktionen in dieses Gehäuse gepackt hat. Das Gewicht beträgt 83 Gramm, damit ist sie leichter als so manch anderer Chronograph, der sonst am Handgelenk baumelt. Die Bedienung der fenix erfolgt über fünf Tasten. Die orange Taste an der linken Gehäuseseite ist die zentrale Steuereinheit. Mit den anderen Tasten erfolgt beispielsweise die Navigation durch die Menüs. Der Druckpunkt bei den Tasten könnte für unser Gefühl generell etwas fester sein. Das Uhrenglas ist kratzresis-tent und auch sonst widersteht die fenix härteren, äußeren Einflüssen. Auch beim Wassersport kann die fenix problemlos benutzt werden. Garmin gibt eine Wasserdichtigkeit bis zu einer Tiefe von 50 Metern an.

Die Technik

Auf der technischen Seite hat die fenix durchaus einiges zu bieten. Das monochrome Display hat eine Auflösung von 70 x 70 Pixeln. Das ist für die Darstellung von Text völlig ausreichend, für die Kartendarstellung allerdings nur rudimentär geeignet. Das Display ist aber sehr gut ablesbar, auch bei starker und direkter Sonneneinstrahlung leidet die Ablesbarkeit nicht. Nachts oder in dunkler Umgebung kann zudem die recht helle Displaybeleuchtung genutzt werden. Der Akku der fenix hat eine Kapazität von 500 mAh. Er ist wie bei den Forerunner-Uhren nicht austauschbar. Bei einer Laufsportuhr für 100 bis 200 Euro mag das bereits ärgerlich sein, aber erst recht bei einem GPS für knapp 400 Euro. Auch wenn der Akku sicher einige Jahre funktionieren wird, gerade bei häufiger Nutzung wird die Kapazität irgendwann nachlassen und hier wäre zumindest eine Tauschmöglichkeit über den Garmin-Service wünschenswert gewesen. Die Laufzeit des Akkus gibt Garmin mit 16 bis 50 Stunden im GPS-Modus, drei Wochen im Sensormodus und sechs Wochen im Uhrenmodus an. Im Praxistest erreichten wir im GPS-Modus bei aktiver Navigation, Beleuchtung aus, Kompass/Höhenmesser an und aktiver Trackaufzeichnung rund 15 Stunden. Im Geocaching-Einsatz mit gelegentlich genutzter Beleuchtung, aktiver Navigation und permanenter Trackaufzeichnung waren es knapp 14 Stunden. Die Laufzeitangaben von Garmin sind also durchaus realistisch und können voll und ganz überzeugen. Geladen wird der Akku über eine Halterung, in die die fenix geklemmt wird. Die Ladehalterung wird über USB mit dem mitgelieferten Steckernetzgerät, einem optionalen KFZ-Lader oder dem heimischen PC verbunden. Auch das Aufladen mit einem USB-Akkupack ist möglich. Ist die fenix komplett entladen, dauert es etwas mehr als zwei Stunden bis sie wieder auf 100 Prozent aufgeladen ist (in Verbindung mit dem Netzteil). Neben der USB-Schnittstelle verfügt die fenix auch noch über eine ANT+ und eine Bluetooth-Schnittstelle. Die drahtlose ANT+ Schnittstelle dient zum Austausch mit Sensoren wie Herzfrequenz-, Trittfrequenz- oder Temperatursensor. Die Zubehörpalette ist hier umfangreich. Auch der Austausch von Wegpunkten, Routen oder Geocaches mit anderen Garmin-Geräten ist über ANT+ möglich.
Garmin fenix
Erstmals bei einem GPS-Gerät von Garmin ist in der fenix auch eine Bluetooth-Schnittstelle enthalten. Das sogenannte Low Energy Bluetooth ist besonders stromsparend und dient zur Verbindung mit Mobilgeräten, wie dem iPhone oder einem iPad. Für diese Geräte bietet Garmin die Software Garmin BaseCamp Mobile an. Für Android ist die Software zurzeit leider noch nicht verfügbar. Die GPS-Antenne der fenix ist in das Gehäuse integriert. Im Gegensatz zu den neuen eTrex Geräten empfängt die fenix aber nur GPS-Signale. Glonass-Satelliten werden nicht genutzt. Zum verwendeten GPS-Chipsatz macht Garmin keine Angaben. Die Genauigkeit liegt aber auf dem Niveau von Handgeräten wie dem Oregon oder eTrex. Lediglich der Satellitenfix dauert teilweise deutlich länger. Während dieser bei Oregon & Co oft binnen Sekunden abgeschlossen ist, kann es bei der fenix durchaus mal einige Minuten dauern.
Neben dem GPS verfügt die fenix noch über drei Sensoren. Ein elektronischer Drei-Achsen-Kompass ist genauso vorhanden wie ein barometrischer Höhenmesser und ein Temperatursensor. Beim Tragen der Uhr am Handgelenk, und da ist ja der für sie bestimmte Platz, kommt es aber, bedingt durch die Körperwärme, zu verfälschten Ergebnissen. Im Zubehörprogramm gibt es einen zusätzlichen Temperatursensor, der über ANT+ mit der fenix verbunden wird und zum Beispiel am Rucksack angebracht, die tatsächliche Außentemperatur weiterleitet. Der interne Speicher der fenix hat eine Größe von knapp 25 MB wovon ca. 22 MB zur freien Verfügung stehen. Für einige hundert Caches, Tracks und Wegpunkte ist das mehr als genug Speicher. Garmin gibt die Kapazität mit max. 1000 Wegpunkten, 50 Routen und 100 Tracks mit maximal 10.000 Punkte / Track an. Die Anzahl der maximalen Caches ist nicht angegeben, eine GPX-Datei von geocaching.com mit 1.000 Caches wurde aber problemlos erkannt. Möchte man allerdings eine eigene Karte installieren, wird der Speicher schnell knapp – denn auch wenn Garmin die Nutzung topografischer Karten mit der fenix verneint – mit ein klein wenig Aufwand lassen sich auch Kartenauszüge aus Garmins Topo oder einer OSM-Karte installieren. Das ist sogar weit weniger kompliziert, als man denkt. Es reicht dazu aus, mit der Software Garmin MapInstall einen Ausschnitt einer entsprechenden Karte zu erstellen. Die erzeugte Datei muss nur noch in “gmapbmap.img” umbenannt und dann auf die fenix kopiert werden. Die originale, aber wenig nützliche Basiskarte, sollte man allerdings vorher sichern.

Die Praxis

Die Bedienung der fenix erfolgt über die eingangs erwähnten fünf Tasten. Zu Beginn mag das Bedienkonzept durchaus ein wenig verwirren. Die Menüstruktur ist zwar an sich logisch, aber dennoch “verläuft” man sich schnell im verschachtelten Menüsystem. Mit einer gewissen Eingewöhnungszeit geht die Bedienung aber deutlich flotter vonstatten. Darüber hinaus unterstützt die fenix auch Profile. Einige, wie Fahrrad, Laufen, Geocaching, Wandern etc., sind bereits vorgegeben, können aber komplett nach eigenem Belieben angepasst werden. Auch das Erstellen eigener Profile ist problemlos möglich. Mit Hilfe der Profile kann auch die Bedienung an die eigenen Wünsche angepasst werden, so können z.B. Funktionen, die einem beim Geocaching besonders wichtig erscheinen, direkt auf eine bestimmte Taste gelegt werden.
Besonders wichtig für uns Geocacher ist natürlich die Geocaching-Funktionalität. Garmin hat hier eine komplett paperless Geocaching Lösung integriert, die sich kaum von den Funktionen der GPS Empfänger wie eTrex, Oregon & Co unterscheidet. Lediglich auf die Anzeige von Spoilerbildern muss logischerweise verzichtet werden. Auch die umfangreichen Filterfunktionen der großen Brüder stehen nicht zur Verfügung. Ansonsten muss man kaum Abstriche machen. Es lassen sich die kompletten Cachebeschreibungen inkl. Hints lesen. Auch die letzten Logs können angezeigt und natürlich auch gefundene oder nicht gefundene Caches mit dem entsprechenden Log versehen werden. Beim Betrachten von längeren Cachebeschreibungen macht sich dann der stromsparende, jedoch recht schwache Prozessor der fenix bemerkbar. Bis eine längere Cache­beschreibung angezeigt wird, können durchaus einige Sekunden vergehen. Auch Peilungen oder Multi-Caches sind für die fenix kein Thema. Bei letzterem lassen sich problemlos die Koordinaten der nächsten Station eingeben.
Auf Grund der guten Akkulaufzeit, der hohen Genauigkeit und der umfangreichen Geocaching-Funktionen weiß die fenix dennoch als “Geocaching-GPS” zu überzeugen. Auch bei den üblichen Navigationsaufgaben ist die fenix ein durchaus treuer Begleiter. Direkte Navigation zu manuell eingegebenen Koordinaten und Wegpunkten oder Trackback sind leichte Aufgaben für die fenix. Auch das Auswählen und Navigieren zu einem Punkt auf der Karte ist problemlos möglich.
Garmin fenixEine Stärke der fenix ist die Trackaufzeichnung. Neben der manuellen Aufzeichnung gibt es hier auch ein AutoStart Feature, welches die Trackaufzeichnung immer dann startet, wenn das GPS der fenix aktiviert wird. Die Auto­Save Funktion speichert anschließend den Track automatisch, sobald das GPS wieder deaktiviert wird.
Trotz zahlreicher Features für Outdoor-Enthusiasten ist die fenix nicht zuletzt auch als ganz normale Uhr im Alltag nutzbar. Die Akkulaufzeit im Uhrenmodus beträgt rund sechs Wochen, da besteht also eher die Gefahr, dass man das rechtzeitige Laden einmal vergisst. Auch die Uhrfunktion ist übrigens sehr flexibel an die eigenen Bedürfnisse anpassbar. Neben Stoppuhr, Wecker und Timer kann auch eine zweite Zeitanzeige für eine andere Zeitzone angezeigt werden. Neben Outdoor-Sportlern und Geocachern wird auch manch Laufsportler und Radfahrer interessiert auf die fenix schauen. Nach momentanem Softwarestand muss man hier allerdings anmerken, dass die fenix noch nicht an den Funktionsumfang einer Forerunner oder eines Edge heranreicht. Es stehen zwar einige Trainingsfunktionen zur Verfügung, den Spezialisten aus eigenem Haus macht die fenix aber noch keine Konkurrenz.

Fazit:

Garmin fenix399 Euro sind kein Pappenstiel. Die fenix kann kaum mehr als beispielsweise ein eTrex 30, kostet aber fast das Doppelte. Aber ganz so leicht ist es dann doch nicht: Schließlich ist die fenix ein extrem kompaktes, leichtes und ausdauerndes Multi-Talent.

Vor allem für Outdoor-Begeisterte, die ihr GPS immer dabei haben wollen, ist die fenix ein tolles Gerät. Aber auch Geocacher, die interessante Gadgets lieben, werden mit der fenix ihre Freude haben. Nach knapp drei Wochen intensivem Test stellte sich auf jeden Fall ein “Die-geb-ich-nicht-mehr-her-Gefühl“ ein.

Doch es gibt nicht nur Positives: Eine kleine Kritik gibt es für die etwas zu lange Wartezeit beim Aufrufen komplexer Cachebeschreibungen.

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