Geocaching im Zeckenrevier

Geocaching im Zeckenrevier

Darum sollten alle gegen Zecken vorsorgen.

Besonders in Zeiten von Homeoffice und Lockdowns zieht es mehr und mehr Menschen zur Abwechslung in den nahe gelegenen Stadtpark oder raus in ländliche Gebiete. Bewegung an der frischen Luft tut gut und hilft, den Kopf frei zu kriegen. Und auch wenn das Wetter noch wechselhaft ist, gibt es natürlich eine Aktivität, die definitiv Lust aufs Rausgehen macht: Geocaching! Doch aufgepasst, auf der Suche nach versteckten Geocaches im Grünen sind wir nicht allein, denn dort können auch andere kleine Jäger lauern: Zecken! Das ist nicht ganz ungefährlich, denn durch einen Stich können die Spinnentiere Krankheitserreger wie Borreliose-Bakterien und Frühsommer-Meningoenzephalitis-(FSME-)Viren übertragen.

Der gemeine Holzbock gehört zu den Lauerzecken und lässt sich vom Wirt abstreifen.

Doch kein Grund zur Panik: Mit der richtigen Vorsorge, darunter die FSME-Impfung, bereitet man sich optimal auf seine Geocaching-Abenteuer vor und hält sich die lästigen Parasiten vom Leib.

Zecken haben fast das ganze Jahr Jagdsaison!

Zecken erwachen bei Temperaturen über fünf Grad Celsius aus ihrer Winterstarre und machen sich auf die Suche nach ihrer nächsten Blutmahlzeit. Zeckenexperte Prof. Dr. Gerhard Dobler erläutert: „Die Blutsauger werden zunehmend zum Ganzjahresproblem. Aufgrund der kontinuierlich wärmer werdenden Winter sind sie, unabhängig von der Jahreszeit, quasi ganzjährig, aktiv – solange kein Schnee liegt.“

Zecken-Hotspots – wo ist Vorsicht geboten?

Zecken halten sich bevorzugt in der bodennahen Vegetation in einer Höhe von 30 bis 60 Zentimeter auf und warten auf einen Wirt, von dem sie sich im Vorbeigehen abstreifen lassen. Bei der Suche nach Geocaches in Büschen, im Unterholz, unter feuchtem Laub oder auf Wiesen begeben sich Geocacher somit mitten ins Zeckenrevier. Auch in heimischen Gärten und Stadtparks oder auf Sportplätzen und in Biergärten mit Grünflächen können die Blutsauger lauern. Eine Begegnung mit den kleinen Spinnentieren ist deshalb nahezu unumgänglich.

So haben Zeckenstiche keine Chance!

Um sich bei der nächsten Schatzsuche im Grünen optimal vor Zecken zu schützen, sollte man festes Schuhwerk sowie möglichst lange, helle Kleidung tragen, da man die kleinen Spinnentiere darauf besser entdecken kann. Außerdem kann Anti-Zeckenspray helfen, die Parasiten einige Zeit auf Abstand zu halten.

Nach einem Aufenthalt im Grünen den eigenen Körper gründlich nach den Blutsaugern absuchen. Entdeckt man eine saugende Zecke auf seiner Haut, lässt sich diese einfach mit einer Zeckenkarte, Zeckenzange oder Pinzette schnell und sicher entfernen. Deshalb gehören diese Utensilien in jedes Geocaching-Gepäck.

Zecken ruckzuck und richtig entfernen:

Die Schatzsuche ist erfolgreich beendet. Doch was ist das? Eine Zecke hat bereits zugestochen? Jetzt ist wichtig: Ganz ruhig bleiben und nicht in Panik verfallen, denn die kleinen Blutsauger kann man im Handumdrehen wieder entfernen. Alles, was man dazu benötigt, ist das richtige Hilfsmittel und eine ruhige Hand. Deshalb sollte in jedes Geocaching-Kit eine Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange gehören. Um den Blutsauger nun zu entfernen, muss dieser möglichst hautnah gegriffen und herausgezogen werden.

Wichtig dabei: Das Entfernen sollte möglichst kontrolliert erfolgen, ohne die Zecke zu zerquetschen! Ist die Zecke erfolgreich entfernt worden, sollte diese mit einem festen Gegenstand zerdrückt und die Einstichstelle desinfiziert werden. Gut zu wissen: Auch wenn ein Teil der Zecke in der Haut stecken bleibt, besteht kein Grund zur Sorge, denn dieser wird mit der Zeit vom Körper abgestoßen. Die Einstichstelle sollte danach regelmäßig über einige Wochen beobachtet werden, um bei Anzeichen von Rötungen, Schwellungen, Juckreiz oder grippeähnlichen Symptomen umgehend einen Arzt bzw. eine Ärztin zu kontaktieren.

Zecken – klein und gefährlich!

Zecken werden oft als das gefährlichste Tier Deutschlands bezeichnet, was an den vielen unterschiedlichen Krankheitserregern liegt, mit denen die Blutsauger infiziert sein können – darunter z. B. FSME-Viren. „Deshalb sollte man die Parasiten auf keinen Fall unterschätzen und beim Geocaching nicht nur auf die gesuchten Schätze achten, sondern auch auf Zecken, die sich möglicherweise haben abstreifen lassen“, so Prof. Dr. Dobler.

Zecke auf der Suche nach einer geeigneten Stelle, um zuzustechen.

Die Spinnentiere sind zwar klein, ihr Stich aber kann es in sich haben. Denn sobald eine infizierte Zecke zusticht, kann sie das FSME-Virus übertragen, da sich dieses im Speichel des Parasiten befindet. Bei FSME handelt es sich um eine Erkrankung der Hirnhäute und des zentralen Nervensystems. Anders als Lyme-Borreliose lässt sich FSME nicht mit Medikamenten behandeln. Eine Erkrankung kann zu bleibenden Schäden wie Lähmungen und Sprechstörungen führen. In Einzelfällen verläuft eine FSME sogar tödlich. Allerdings kann man sich durch Impfen vor FSME schützen.

Besonders gefährdet sind Menschen, die sich in sogenannten FSME-Risikogebieten im Grünen aufhalten. Dort besteht ein erhöhtes Risiko, durch einen Zeckenstich mit dem FSME-Virus angesteckt zu werden. Zu den 169 offiziellen Risikogebieten in Deutschland zählen große Teile von Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen und Südhessen.

Im März 2021 hat das Robert-Koch-Institut fünf neue Risikogebiete ausgewiesen. Diese sind: Landkreis Weimarer Land, Landkreis Fulda, Landkreis Dillingen an der Donau, Landkreis Mittelsachsen sowie Stadtkreis Dessau-Roßlau. Doch auch wenn man nicht in einem Risikogebiet lebt, sollte man beim Geocaching Vorsicht walten lassen, denn infizierte Zecken kommen in ganz Deutschland vor und damit kann die FSME deutschlandweit auftreten.

Infobox: FSME Risikogebiete – welche sind das?

Das Robert Koch-Institut erklärt einen Stadt- oder Landkreis zu einem Risikogebiet, wenn dort innerhalb von fünf Jahren eine bestimmte Anzahl an FSME-Erkrankungen pro Einwohner gemeldet wurden. In diesen sogenannten Risikogebieten besteht ein höheres Risiko, durch einen Zeckenstich mit dem FSME-Virus angesteckt zu werden.

Hierzu zählen große Teile Bayerns, Baden-Württembergs sowie Teile Hessens, Sachsens und Thüringens. Seit 2019 gibt es mit dem Landkreis Emsland in Niedersachsen das erste Risikogebiet in Norddeutschland. Einzelne FSME-Risikogebiete befinden sich zudem in Mittelhessen, im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Seit März 2021 zählen außerdem auch der Landkreis Weimarer Land, Landkreis Fulda, Landkreis Dillingen an der Donau, Landkreis Mittelsachsen sowie Stadtkreis Dessau-Roßlau zu den Risikogebieten. Insgesamt weist das Robert-Koch-Institut 169 Stadt- und Landkreise als FSME-Risikogebiete aus.1

Wichtig: Zecken gibt es in ganz Deutschland. Auch außerhalb der sogenannten FSME-Risikogebiete gibt es Zecken, die das FSME-Virus übertragen können!

1Robert Koch-Institut (RKI): FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand: Januar 2021).

rot: FSME-Risikogebiete
gelb: Landkreise mit vereinzelt auftretenden FSME-Erkrankungen,
die jedoch nicht der Definition für ein FSME-Risikogebiet nach
dem Robert Koch-Institut entsprechen.

Zecken und FSME – durch Impfen vorsorgen!

Mit 704 gemeldeten FSME-Fällen im Jahr 2021 gab es in Deutschland so viele FSME-Fälle wie nie zuvor seit Beginn der Meldepflicht in 20011.

Die gute Nachricht: Durch Impfen kann man sich vor dem FSME-Virus schützen; für einen vollständigen Impfschutz sind drei Impfungen nötig. Wichtig im Zuge der COVID-19-Impfvorsorge: Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt, vor und nach den Corona-Impfungen jeweils zwei Wochen lang keine anderen Impfungen durchzuführen2

Das bedeutet: Alle weiteren Vorsorgeimpfungen sollten möglichst zeitnah erfolgen, noch bevor der breiten Bevölkerung die Corona-Impfung zur Verfügung steht. „Angesichts der FSME-Rekordfallzahlen im vergangenen Jahr ist ein FSME-Impfschutz umso wichtiger. Ich empfehle daher, frühzeitig zum Arzt bzw. zur Ärztin zu gehen und sich zur FSME-Impfung beraten zu lassen“, so Prof. Dr. Dobler. Gut zu wissen: Da die FSME-Impfung auch zu den Reiseimpfungen zählt, werden die kompletten Impfkosten auch bei Reisen in deutsche FSME-Risikogebiete von der Krankenkasse übernommen.

1 Robert Koch-Institut (RKI): FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand: Januar 2021). Epid Bull 2021; 9:3-20.
2 Vygen-Bonnet S. et al, Beschluss der STIKO zur 1. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung und die dazugehörige wissenschaftliche Begründung. Epid Bull 2021; 2:3-71.

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